Bus 4.0

bdo-EXPERTEN-FORUM Bus 4.0 - Das Labor für die digitale Revolution in der Mobilität

Das Produkt vom Kunden her denken, das ist ein wichtiger Punkt, damit die Busunternehmer die digitale Transformation ihrer Geschäftsmodelle betreiben können. Und das Heft des Handelns dürfen die Unternehmer dabei nicht aus der Hand geben, wie Josef Brandner bei seiner Einführung (BBS Reisen Brandner GmbH) beim bdo-Experten-Forum Bus 4.0 sagte.

Brandner ermutigte zu mehr unternehmerischem Handeln und vor allem Selbstbewusstsein. „Der Einfluss auf die zentralen Faktoren Preis, Leistung und Vertrieb ist wichtig“, sagte er. „Ist ein Faktor nicht beeinflussbar, fehlt das Motiv für unternehmerisches Engagement.“ Einzelne Präsentationen der Veranstaltung können angefragt werden unter m.schroeter(at)bde-online.de.

Dass die Digitalisierung Auswirkungen auf alle Bereiche unseres Lebens hat, stellte Dr.-Ing. Lars Schnieder (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) in seinem Einführungsvortrag eindrucksvoll dar. „Digitalisierung verändert unsere Mobilität“, sagte er.

Teilnehmer und Organisatoren waren sich schnell einig, dass sowohl für Gäste als auch Referenten die Veranstaltung ein purer Gewinn war. „Ich konnte viel mitnehmen“, war ein oft gehörter Kommentar der rund 100 Teilnehmer. Ein Busunternehmer schrieb in seinem Feedback: „So eine geballte Menge an wertvollen Informationen von zahlreichen hochkarätigen Referenten bekommt man nicht alle Tage geboten. Zudem war der Kongress super organisiert!“ Oder: „Herzlichen Glückwunsch zu der tollen Veranstaltung gestern. Hervorragende Themen und Referenten – ebenso wie die Moderation.“ Einer der Referenten schrieb: „Vielen Dank für die Einladung zu dieser hervorragenden Veranstaltung und natürlich für die tolle Organisation. Bei Interesse komme ich immer wieder gern nach Berlin.“

Dr. Til Ackermann (VDV) hatte für die Unternehmer direkte Empfehlungen im Gepäck: „Vernetzen Sie sich mit Ihren Kunden auf Ihrer digitalen Infrastruktur. Betreiben Sie Customer-Relationship-Management auf Basis von Big Data! Begeben Sie sich auf den Weg über multimodale Angebote bis hin zum autonomen ÖV-Shuttle.“ Corinna Fohrholz (Uni Potsdam) berichtete über Möglichkeiten mit Big Data, Verkehrsströme zu messen.

Einblick in die neuesten Entwicklungen, wie eine App den Markt verändern kann, gab Dr. Tim Brühn (Cassini Consulting), der über Uber referierte. Uber rücke Kunden ins Zentrum und treibe mit seinen Innovationen die Digitalisierung der Branche voran. Allerdings werde Uber auch ein Vorgehen „ohne Rücksicht auf Verluste“ und ungleiche Wettbewerbsbedingungen vorgeworfen. Fabien Nestmann, Head of Public Policy DACH bei Uber, ließ sich die Chance nicht nehmen, als Gast des bdo sein Unternehmen kurz vorzustellen. Der Bus brauche sich keine Sorgen machen, denn Uber konzentriere sich auf die städtischen Räume.

Was Sharing Economy für den Bus bedeuten kann, erläuterte Professor Kay Mitusch (Karlsruher Institut für Technologie). Stefan Tontsch (Meinfernbus/Flixbus) sprach über das Thema Digitales aus Sicht der Fernbusbranche). Wie weit die Marktdurchdringung von mobilen Applikationen ist, zeigte Professor Ulrike Stopka (Uni Dresden).

Deutliche Worte versprach Friedemann Brockmeyer (civity) schon mit dem Titel seines Vortrags: „Digitale Geschäftsmodelle für die Busbranche“. Er sagte: „Busunternehmen müssen professioneller, größer, schneller und effizienter werden.“ Die Digitalisierung könne hierbei helfen. Digitalisierung werde das Geschäftsmodell der Omnibusunternehmen nicht auf den Kopf stellen. „Organisation, Kultur und Know-how müssen aber neu definiert werden.“

Es wurde zudem deutlich. dass das private Busgewerbe an RBL nicht mehr vorbeikommt. Die Echtzeitdaten sind die Grundlage aller Digitalisierung in den Betrieben. Aufgabenträger fordern das Qualitätsmerkmal RBL. Das wurde deutlich bei den Vorträgen von Linus Gebhardt (Telematrik), Stefan Karnop, Olaf Barrels (DB Regio AG) und Karsten Schulze.

„Die Reise zum zum Automatisierten Fahren erfordert neben vielen kleinen auch einen großen Schritt“, sagte Christian Kohrs (MAN). Die Anwendungsmöglichkeiten für automatisiertes Fahren beim Bus seien vielfältig. „Je weniger komplex das Verkehrsumfeld, desto früher können die Anwendungsfälle realisiert werden“, sagte Kohrs. Und: „Keine andere technische Weiterentwicklung besitzt ein vergleichbares wirtschaftliches Potential wie das automatisierte Fahren.“ Oder wie Alexander Hars (Inventivio) sagte, steht eine Revolution im Personenverkehr an.

Bei der Veranstaltung wurde klar, dass Chancen für die Branche in den Bereichen Kooperation und Regionalisierung liegen. Klassische Linienverkehre des Öffentlichen Personenverkehrs, aber auch der Gelegenheitsverkehr, werden sich zu Mobilitäts-Verbünden fortentwickeln. Neben dem Bus werden Carsharing, Fuß- und Fahrradwege sowie Mitfahr-Gelegenheiten als Beförderungsmöglichkeit in den Überlegungen des Unternehmers eine zunehmend wichtigere Rolle einnehmen - müssen.

Die Wirtschaftsexperten unserer Zeit sagen deshalb, dass die Vernetzung von Geräten und Gegenständen via Internet eine übergeordnete Bedeutung einnimmt. Digitalisierung hat auch die Reisebranche längst umgekrempelt. Wer heute eine Reise plant oder ein Ticket, ein Flug oder ein Hotel benötigt, der geht nur noch selten ins Reisebüro, sondern bucht selbst - über das Internet.

Die Digitalisierung hat neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Und in der Folge haben sich die Spielregeln des Marktes geändert: Es braucht heute nur noch eine einzige App, um ganze Branchen vor die Existenzfrage zu stellen. Die Taxibranche hat das in den zurückliegenden Jahren deutlich zu spüren bekommen. Also darf nicht vergessen werden, dass das nicht mehr stattfindet, was künftig nicht mobil erreichbar ist.

Digitale Plattformen verändern die Struktur der Wirtschaft grundlegend. Die Herausforderung besteht darin, dass die digitale Transformation nicht nur Produkte „smarter“ machen soll, sondern Märkte strukturell verändert. Die neuen Marktstrukturen werden maßgeblich durch digitale Plattformen bestimmt. Plattformen sind der Ort, an dem auf Grundlage von Daten Dienste angeboten werden und Wertschöpfung neu verteilt wird.

Wer heute zu lange auf bestehende Geschäftsmodelle setzt und nicht schnell genug reagiert, wird bald nicht mehr im Geschäft sein.